Wie man einen perfekten Ton singt

Ein perfekter Gesangston?

 

Ja, es gibt ihn, den perfekten Ton!

Berühmte Sängerinnen und Sänger können ihn singen.

 

Er klingt aber bei jedem etwas anders, das ist abhängig von Gesangstechnik, Stilistik und persönlichem Sound.

 

Die meisten Menschen sind in der Lage, einen gelungenen, perfekten Gesangston von einem nicht gelungenen zu unterscheiden. Dabei gibt es objektive und subjektive Kriterien.

Oder anders gesagt, es ist auch Geschmackssache.

 

Was ist ein perfekter Gesangston?

 

Die meisten würden sagen: Ein Ton der für sie, oder für viele, angenehm klingt.

Ein Ton sollte ausgewogen, nicht gepresst, nicht wie von Kermit geknödelt, oder durchgehend verhaucht, oder anders unangenehm klingen.

 

Beim Shouten übrigens ist allerdings das Gegenteil von angenehm gewollt. Das nennt ja aber auch keiner singen, es soll ja auch nicht angenehm klingen, höchstens wohlige Schauer über den Rücken jagen ;-)

 

Wie entsteht ein perfekter Ton?

 

Stellen wir uns mal vor, wir sitzen vor einem Mischpult, oder so einem alten Radio.

Da sind Knöpfe dran, und da steht dann so was wie Tiefen, Mitten und Höhen drauf.

 

Jetzt hören wir einen Song, und drehen dabei die Tiefen ganz raus.

 

Wir hören sofort, jetzt fehlt hier aber was.

Wir würden so nicht mehr von einem perfekten Ton oder Klang sprechen.

 

So funktioniert das auch beim Singen. Mit Hilfe der Stimmbänder, Luft, Körperspannung und emotionaler Anteilnahme, versucht man einen Ton zu produzieren bei dem möglichst viele Frequenzen von tief, über mittel, bis hoch zu hören sind! Das gibt dann einen ausgewogenen Ton.

 

Die Ton Frequenzen

 

Ein sehr schönes Beispiel für die Betonung, "entweder der tiefen Frequenzen, oder der hohen Frequenzen" beim Singen, hört man im Folgenden, in dem von zwei verschiedenen Sängerinnen gesungenen Song „Rolling in the Deep.“

 

Zuerst gesungen von Adele, danach von Ariana Grande.

Adele betont im Song die Tiefen, Ariana Grande die Höhen.

 

Beides ist professionell gesungen. Was einem persönlich besser gefällt, hängt ab von welchen Frequenzen man sich eher angesprochen und berührt fühlt. Mir gefällt beides.

 

Adele klingt dabei ungewöhnlicher.

Von Sängerinnen erwarten wir eher höher klingende Töne wie die, die Ariana Grande produziert.

Hohe Töne, Höhen, ordnen wir eher weiblichen Wesen zu.

 

Die Tiefen: Die Bruststimme - Die Höhen: Die Kopfstimme

 

Betont man die Tiefen wie Adele, setzt man mehr die Bruststimme ein.

Betont man die Höhen wie Ariana, setzt man mehr die Kopfstimme ein.

Was das ist, erläutere ich auch auf der Website.

 

Ariana Grande singt die Nummer Rolling in the Deep ganze 1 1/2 Töne höher, und damit in einer anderen Tonart, schon dadurch klingt das Stück natürlich auch höher.

Würde Adele das auch so machen, würde es trotzdem noch tiefer klingen.

 

Ariana singt den Song höher, weil das eher ihrem Range, ihrem Stimmumfang, und ihrem Feeling, ihrer Persönlichkeit für die Interpretation des Stücks entspricht.

 

Über den Range, den Stimmumfang gibt es auch ein eigenes Kapitel.

 

Betonung der Tiefen: Rolling in the Deep von Adele

https://www.youtube.com/watch?v=rYEDA3JcQqw

 

Betonung der Höhen: Rolling in the Deep von Ariana Grande

https://www.youtube.com/watch?v=24AKYyNusvs

 

Wie bildet man nun einen perfekten Gesangston?

Wodurch entsteht stimmliche Brillanz und Durchsetzungsfähigkeit?

 

Obwohl beide genannten Sängerinnen unterschiedliche Frequenzen betonen, haben Sie doch beide sehr durchsetzungsfähige, laute Stimmen. Die Töne funkeln und klingen regelrecht geschmettert. Wodurch entsteht das?

 

Dieser Klang entsteht übrigens auch bei Adele durch die Höhen!

Würden sie fehlen, würde man nur ein Brummeln vernehmen.

Die Höhen verleihen der Stimme Brillanz.

Die Tiefen und Mitten das Volumen im Klang.

Ein gewisses Maß an Höhen benötigt jeder Ton, auch Adele singt sie wie gesagt, sonst gibt es keinen Klang!

 

Die Präsenz der Höhen

 

Hier die Sänger Marc Motzer und Nico Gomez, beide für sich tolle Stimmen, singen perfekt, einer hoch, der andere tief. Bruststimme gegen Kopfstimme. Dazu gibt es auch ein eigenes Kapitel in der Website.

Bei diesem Stück hört Ihr aber sehr deutlich, wie sich die Höhen, wie sich die hohe Stimme viel mehr durchsetzt, besser zu hören ist:

https://www.youtube.com/watch?v=nsNyj6_9ddg

 

Wie viel man nun von den verschiedenen Frequenzen „reinsingt“ hängt von der Form des eigenen Stimmapparates, Größe des Kehlkopfs, der Stimmlippen, der Gesangstechnik, der ganz eigenen Ausdrucksfähigkeit als Persönlichkeit, Präferenzen, Vorbilder, und zu guter Letzt von der kulturellen Herkunft und Vorbildung ab.

 

Ein Beispiel dafür wie sehr der kulturelle Einfluss den Ton formt, und gleichzeitig ein Beispiel für das Singen mit hohen Tönen und Frequenzen, ist der bulgarische Gesang.

 

Hier ist als Schönheitsideal neben den Höhen noch ein deutliches „Quäken“ zu hören.

Duffy bedient sich auch dieses Effekts: Quäken.

 

Über Stilmittel, Effekte beim Singen habe ich auch ein eigenes Kapitel geschrieben.

 

Hier die Wirkung der Höhen, der hohen Frequenzen, beim Singen plus Quäken als Effekt:

http://www.youtube.com/watch?v=5v3piS-mScI

 

Der perfekte Ton im Gesangsunterricht

 

Im Gesangsunterricht ist die Arbeit am perfekten Gesangston so gut wie immer Thema.

Es gibt viele gute und erhellende Übungen, die ich anbiete, und die einem helfen einen tollen Ton zu erzeugen!

Eure Sabine Lopez