Die Stütze - Atemstütze und Atemtechnik

Was bedeutet Stütze beim Singen?

 

Die "Stütze" beim Singen, nein, das ist keine Art Rollator wie ihn ältere Menschen benutzen, um sich aufstützen zu können ;-)

 

Die "Stütze" bezeichnet die "Atemtechnik" beim Singen.

Zum Singen, ebenso wie zum Sprechen benötigt man Luft.

Diese wird durch die Anwendung der Atemstütze bewusst kontrolliert und eingesetzt.

 

Es ist genauer gesagt das kontrollierte Einsetzen der "Bauchmuskeln", die so die Steuerung des Atemmuskels "Zwerchfell" ermöglichen.

Wozu ist das nötig?

Um die Atmung, die Luft, die wir beim Singen verbrauchen, kontrollieren zu können, um die Stimmbänder kontrollieren zu können und zu entlasten, und um Lautstärke zu erzeugen. Wie Ihr seht, Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle.

 

Wie funktioniert dann die unbewusste Atmung?

 

Das Zwerchfell ist wie gesagt unser Atemmuskel. Ohne Zwerchfell keine Atmung.

Das Atemzentrum in unserem Gehirn, Medulla oblongata, steuert unter Zuhilfenahme des Zwerchfells unsere Atmung, und zwar in einem bestimmten Rhythmus, immer angepasst an den Sauerstoff- oder Kohlendioxidgehalt, der von den Rezeptoren in unserem Körper in unserem Blut gemessen wird.

 

Wir müssen uns da glücklicherweise gar nicht drum kümmern.

Das Einatmen ist ein aktiver Prozess, und das Ausatmen ein passiver.

Man könnte auch sagen: Anspannen - Loslassen.

 

Die Atmung bewusst kontrollieren!

 

Beim Singen können wir es uns nicht mehr erlauben diesen automatischen Rhythmus einfach weiter so ablaufen zu lassen, wie er normalerweise abläuft.

Wir singen zwar auch in einem Rhythmus, aber in einem, den wir nun selbst beim Singen jedes Mal neu bestimmen.

 

Mal wollen wir ganz lange Töne singen, oder vielleicht einen Ton sogar über mehrere Takte, mal ganz kurze Töne, oder viele am Stück usw.

Wir benötigen die Luft also ganz individuell.

 

Und das geht nur mit der Stütze, nur mit Kontrolle des Zwerchfells.

Das nennt man also die Atemstütze, oder die Stütze.

Man führt die Atmung über Anspannen der Bauchmuskulatur, angepasst an die Menge der Luft, die man für die jeweilige Gesangspassage benötigt.

 

Es geht ja dabei vor allem um die aktive, muskulär und bewusst gesteuerte „Atmung beim Ausatmen“. Denn Singen kann man nur mit Luft beim ausatmen, und da geht es darum möglichst wenig Luft zu verbrauchen.

Nur die richtige Stütze führt auch dazu, dass ein Ton so erklingen kann, wie wir es möchten.

Ohne diese Stütze ist 1. ein physiologisch gesundes Singen, und 2. kein wunderbarer Klang mit der Stimme möglich.

 

Es gibt Übungen, die man machen kann, um diese Stütze korrekt ausführen zu können, und die im Gesangsunterricht gerade anfangs einen wichtigen Platz einnehmen. Oft genügt es aber schon das alles einmal richtig erklärt zu bekommen. Nur, wenn man Probleme mit der Luft und mit der Atmung beim Singen hat ist das ein Thema…haben aber die Meisten.

 

Kleine Atem Übungen zur Atemstütze

 

Nimm ein kleines Blatt Papier, halte es an die Wand oder an eine Tür.

Dann stell' Dich nah an das Blatt, so etwa mit 20 cm Abstand, halte Deine Hand auf den Bauch, lass das Blatt los, während Du gleichzeitig mit dem Mund Luft gegen das Blatt bläst. Jetzt fühlst Du wie Dein Bauch anspannt, sich nach außen drückt!

Je länger das Blatt an der Wand, also oben kleben bleibt, desto besser beherrschst Du schon Deine Atem Stütze.

Oder, Du kannst auch mal ganz doll tief Luft holen und die Luft dann mit einem kleinen weichen "s" rauslassen. Dabei geht es darum das möglichst lange zu tun!

Du kannst ja mal die Zeit messen, und, je öfter man das übt desto besser wird man, aber bitte nicht so oft hintereinander, bitte nicht ohnmächtig umfallen.

 

Ziel

Die Stütze perfekt zu beherrschen, ist ein wichtiges Anliegen im Gesangsunterricht.

 

Die Stütze perfekt und originell ausgeführt!

 

Wie eine perfekt ausgeführte Stütze beim Singen aussieht, bekommt man hier auf originelle Weise von der Sängerin Grace Jones vorgeführt.

Ich erkläre sie natürlich ganz genau und immer wieder im Gesangsunterricht.

 

Grace Jones ist übrigens schon 60 Jahre alt, lässt etwa 8 Minuten lang einen Hula Hoop Reifen kreisen, das macht sie öfter, ist ihre Spezialität, während sie dabei singt und zwar ohne, dass die Stimme auch nur eine Winzigkeit wackelt, und das dazu noch mit einem voluminösen Klang.

Es sieht so aus, als würde sie auch so eine Art Korsett tragen, aber, würde Sie die Atemstütze nicht beherrschen, wäre ihr das so absolut nicht möglich!

 

Staunt über Grace Jones mit Slave to the Rhythm 9 Minuten 18:

http://www.youtube.com/watch?v=OX8CaZXMxBQ

 

Zu wenig oder zu viel Luft beim Singen

 

Sängerinnen und Sänger müssen besonders ökonomisch mit ihrer Luft umgehen.

Es gilt das Prinzip: Minimaler Einsatz bei maximaler Ausbeute!

Man darf die Luft nicht unnötig, nicht unkontrolliert verlieren, oder gar regelrecht rauspusten beim Singen.

 

Wenn man Luft verliert beim Singen, entsteht das durch zu wenig Spannung, durch fehlende Stütze, oder/und zu weit geöffnete Stimmbänder, man sagt auch mangelnden Stimmlippenschluss.

Beides lässt auf einen Mangel an Kontrolle schließen, und sollte natürlich nicht passieren.

Auch zu wenig Luft hat dieselben Ursachen.

Kontrolle über den eigenen Luftverbrauch zu bekommen, ist Ziel im Gesangsunterricht.

Man kann das wunderbar trainieren.

 

Hier im folgenden Beispiel sieht man sehr schön, was ich meine, und wie man es nicht machen sollte:

Die eigentlich professionelle Musikerin und Sängerin Esperanza Spalding zeigt hier einen sehr unökonomischen Einsatz von Luft. Ihre Atmung erscheint unkontrolliert, sie wirkt wie ständig aus der Puste, kurzatmig, hektisch, während sie viel Luft rauspustet beim Singen.

Ihre Stimme überzeugt mich deshalb in diesem Video auch nicht, sie wirkt verhaucht, schwach, und Sound arm.

Ich kenne sie aber aus anderen Aufnahmen, wo sie das nicht macht, eventuell war sie aufgeregt, oder aber die Aufnahme ist einfach nur schlecht.

 

Man kann Luft und Atmung sehr schön als Effekt im Gesang einsetzen, und damit eine bestimmte Stimmung erzeugen, aber nur wenn man das kontrolliert tut.

 

Man kann deutlich hörbar einatmen bevor man singt, deutlich hauchig ausatmen, ab und zu luftige Vokale produzieren usw. Vielleicht war das ja hier auch Esperanzas Idee, aber für mich zu viel Luft rausgehaun:

http://www.youtube.com/watch?v=8xbHWp1KfSE

 

Hier seht Ihr noch zum Schluss wie die Atmung funktioniert.

Die "Stütze" soll das Zwerchfell möglichst lange in der Einatme-Position halten, damit man die Luft zum Singen möglichst lange benutzen kann.

Ich habe feststellen müssen, dass es Gesangslehrer gibt, die das mit der Atmung leider nicht korrekt oder falsch erklären. Falls Ihr nicht sicher seid, ob Ihr es richtig macht, und nicht mal eben vorbeikommen könnt, könnt Ihr mich gern fragen.

Eure Sabine Lopez

https://www.youtube.com/watch?v=qFnYxN-ZS-0